Dr. Anette Arnold, Geschäftsleiterin der Alfred Arnold Verladesyteme

5 Fragen an…

Dr. Anette Arnold.

Frau Dr. Arnold, Ihr Unternehmen ist spezialisiert auf Verladesysteme. Ein technisches Arbeitsgebiet, aber auch eine Männerdomäne? Welche Erfahrungen haben Sie persönlich als Frau und Chefin im MINT-Bereich gemacht?

Da bereits mein Maschinenbau-Studium männerdominiert war, bin ich nun schon viele Jahre an diese Situation gewöhnt. Für mich selbst ist das schon normal. Ich denke, genau dies sollte es im Beruflichen auch sein: egal, ob man ein Mann oder eine Frau ist. Stattdessen sollte man auf die Arbeitsweise und Ergebnisse schauen. Als Chefin habe ich das Glück, selbst gestaltend tätig zu sein und die richtigen Rahmenbedingungen zu schaffen. Zugleich misst sich mein eigener Erfolg ebenfalls nur an meinen Leistungen.

In Ihrem Familienunternehmen engagieren Sie sich besonders für eine gute Vereinbarkeit von Beruf und Familie, ein zentrales Thema v.a. für berufstätige Mütter. Welche Maßnahmen setzen Sie in diesem Bereich um?

Ja, uns ist die Vereinbarkeit von Familie und Beruf schon immer sehr wichtig. Unser Erfolgsrezept gründet darin, dass wir uns individuell mit der Lebensrealitiät unserer Mitarbeiter auseinandersetzen und maßgeschneiderte Lösungen anbieten. Dies reicht von immer wieder neu flexibel gestaltbaren Arbeitszeiten (reduzierte Stunden, unterschiedliche Stunden pro Tag, freie Tage für familiäre Aufgaben usw.), so dass Betreuungs- oder Schulzeiten in Einklang mit der Arbeit gebracht werden können bis hin zu kurzfristig freien Stunden für familiäre Aufgaben. Wir unterstützen bei Bedarf auch durch Kita-Zuschüsse oder bei der Suche nach einer Betreuung.

Wie zahlen sich diese Maßnahmen für Ihr Unternehmen aus? Lohnt sich der Einsatz?

Ja, sehr, denn unsere Mitarbeiter sind motiviert und uns über viele Jahre treu, weil Sie wissen, dass wir uns ehrlich um ihre Gesamtzufriedenheit bemühen und auf ihre privaten Belange Rücksicht nehmen. Wir denken, dass langfristig gute Leistungen nur erbringbar sind, wenn die gesamte Situation stimmt.

Welche Erfahrungen machen Sie in Ihrer unternehmerischen Praxis? Gibt es einen Unterschied zwischen männlichen und weiblichen MINT-Mitarbeitern und Mitarbeiterinnen?

Verallgemeinern können wir es nicht, weil wir zum einen nicht Hunderte von Mitarbeitern haben, um es repräsentativ zu sehen. Zum anderen sehen wir die Mitarbeiter tatsächlich individuell, so dass wir auch große Unterschiede zwischen Männern sehen. Entscheidend ist für uns, dass wir bessere Ergebnisse in gemischten Teams erkennen, also sowohl bzgl. Alter als auch Geschlecht und Lebensbiographie, denn dann werden Aufgaben aus verschiedenen Blickwinkeln betrachtet und eher Risiken und Chancen erkannt.

Was raten Sie persönlich Mädchen und jungen Frauen, die sich noch nicht sicher sind, ob der MINT-Weg der richtige für sie ist?

Wie bei jedem Fach sollte man versuchen, Kontakt zu Personen aus dem Gebiet aufzunehmen, sei es durch Schülerpraktika oder im Bekanntenkreis. Auch unabhängige Beratungsstellen können sicherlich einen guten Einblick in die Perspektiven geben. Generell sehe ich die Entscheidung für ein MINT-Fach kein bisschen gewagter als die Entscheidung, Kunstgeschichte oder Philosophie zu studieren. In allen Fällen sollte man sich über seine eigenen Stärken und Vorlieben klarwerden und ehrlich mit sich selbst sein und dann angstfrei die Wunschrichtung bestreiten.

Foto: Privat

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