Saskia Biskup, Geschäftsführerin der CeGaT GmbH

5 Fragen an…
Saskia Biskup.

Frau Biskup, beim MINT-Unternehmenswettbewerb 2013/2014 wurde die CeGaT GmbH als Gewinner in der Kategorie Personalentwicklung und -bindung ausgezeichnet. Welche Maßnahmen setzen Sie in diesem Bereich um?

Personalentwicklung und -bindung sind sehr wichtige Themen für uns. Wir haben sehr viele junge Mitarbeiter, für die wir oftmals der erste Arbeitgeber sind. Daher liegt uns sehr am Herzen, dass wir ein Umfeld schaffen, in dem jeder einzelne sich entsprechend seiner Stärken entwickeln kann. Für uns steht die Teamarbeit im Vordergrund. Jeder Mitarbeiter wird in gleicher Weise wertgeschätzt, egal in welchem Bereich des Unternehmens er tätig ist. Es ist in unserer Verantwortung eine Arbeitsatmosphäre zu schaffen, in der wir nicht nur sehr innovativ und produktiv sein können, sondern auch langfristig zufriedene Mitarbeiter haben, die sich mit dem Unternehmen identifizieren können.

Vereinbarkeit mit der Familie ist ein weiteres zentrales Thema. Um die Personalbindung zu fördern, halten wir auch während der Elternzeit Kontakt zu unseren Beschäftigten. Es werden zahlreiche Maßnahmen zur Vereinbarkeit von Familie und Beruf ergriffen. Dies beinhaltet eine flexible Gestaltung der Arbeitszeit (Vertrauensarbeitszeit) oder auch die Möglichkeit, von Zuhause aus zu arbeiten. Bei wichtigen Terminfestlegungen, wie Fortbildungen und anderen Meetings, werden die Arbeitszeiten von Teilzeitbeschäftigten entsprechend berücksichtigt.

Alle unsere Mitarbeiter nehmen an regelmäßig stattfindenden Schulungen teil und es besteht zudem die Möglichkeit der Fort- und Weiterbildung. Außerdem findet eine gezielte Übertragung neuer Aufgaben statt, wie sie unter anderem bei der Übernahme von Leitungsfunktionen, z.B. als Teamleiter, anfallen oder im Zuge des Aufbaus neuer Geschäftsfelder.

Besonders bemerkenswert ist, dass bei CeGaT der Frauenanteil in MINT-Berufen bei 70 Prozent liegt und 50 Prozent der oberen Führungspositionen von Frauen besetzt werden. Wie erreicht man solche Zahlen? Welche Tipps können Sie anderen Unternehmen geben?

Unabhängig ob Mann oder Frau ist es für uns sehr wichtig, ein attraktives Arbeitsumfeld zu schaffen, nämlich eine familienfreundliche Unternehmenskultur, die auch bewusst und aktiv gelebt wird. Dies wird dann umgesetzt durch die schon angesprochenen Maßnahmen, um nach einer Elternzeit einen möglichst einfachen und schnellen Wiedereinstieg in den Beruf zu ermöglichen. Wir bekommen hervorragende Bewerbungen von sehr gut ausgebildeten jungen Menschen (da ist ein hoher Anteil an Frauen dabei), denen wir dieses hohe Maß an Flexibilität (z.B. bzgl. verschiedener Arbeitszeitmodelle, Arbeiten von Zuhause aus) schon während des Bewerbungsgespräches erläutern. Davon profitieren dann beide Seiten, insbesondere wenn sich dann auch hochqualifizierte Frauen für uns als Arbeitgeber entscheiden.

Welche Erfahrungen machen Sie in Ihrer unternehmerischen Praxis? Gibt es einen Unterschied zwischen männlichen und weiblichen MINT-Mitarbeitern und Mitarbeiterinnen?

Nein, überhaupt nicht. Es gibt immer besondere Talente, die entsprechend gefördert werden müssen. Diese sind jedoch meiner Erfahrung nach unabhängig vom Geschlecht in verschiedensten Bereichen zu finden.

Was raten Sie persönlich weiblichen Fachkräften, z. B. um nach einer Elternzeit wieder erfolgreich in den Beruf ein- und aufsteigen zu können?

Man sollte so früh wie möglich damit beginnen den Wiedereinstieg in den Beruf zu planen, auch wenn man am Anfang nur mit wenigen Arbeitsstunden starten möchte. Außerdem sollte man sich nicht vor einem Gespräch mit seinem Arbeitgeber scheuen, sondern frühzeitig und offen seine Pläne für die Zeit nach der Elternzeit darlegen und besprechen. Ich würde auch unbedingt raten, trotz Teilzeit Verantwortung übernehmen zu wollen und nicht zu bescheiden aufzutreten. Weibliche Fachkräfte unterschätzen sich meiner Erfahrung nach eher als männliche.

Saskia Biskup, Sie wurden im März 2014 von der Europäischen Kommission mit dem EU-Innovationspreis für Frauen ausgezeichnet. Helfen solche starken Vorbilder, um grundsätzlich mehr Frauen für MINT-Berufe zu gewinnen?

Ja, ich hoffe sehr, dass Vorbilder in diesen Berufen dazu beitragen, das Interesse für MINT-Berufe bei Frauen weiter zu stärken. Medienwirksame Aktionen helfen natürlich ungemein, um darauf aufmerksam zu machen.

Foto: Privat