„Mein Lehrer hat es geschafft, Physik nicht bloß zu unterrichten, sondern zu entertainen.“ – Magdalena Neth ist heute selbst Physiklehrerin

Dass Frauen für MINT-Berufe genauso geeignet sind wie Männer, ist für Magdalena Neth gar keine Frage. Für sie sind es vielmehr die eigene Motivation und der Glaube an sich selbst, die darüber entscheiden, ob man es in der Branche seiner Wahl beruflich schaffen kann. Seit Anfang des Jahres ist die 26-Jährige Referendarin im ersten Lehrjahr für die Fächer Physik und Mathematik in Esslingen am Neckar. Trotz der zeitintensiven Vorbereitungen ihrer Stunden würde sie ihre Arbeit um keinen Preis eintauschen – sie genießt es, Lerninhalte so zu vermitteln, dass jede Schülerin und jeder Schüler sie verstehen kann.

Der Beginn ihrer Begeisterung für MINT-Fächer? Daran erinnert sich Magdalena gut: „In der Oberstufe habe ich Physik nur deshalb vierstündig gewählt, weil die Alternativen für mich damals keine Option waren.“ Anfangs waren ihre Noten nicht wirklich gut in Physik, aber ihr Lehrer hat es damals geschafft, das Fach nicht nur zu unterrichten, sondern zum Entertainment seiner Schüler lustig und spannend zu gestalten. „So habe ich mich jedes Mal auf den Unterricht gefreut und die Begeisterung meines Lehrers für das Fach färbte schnell auf mich ab.“

Lehrer sein bedeutet mehr, als Schulinhalte zu vermitteln

Für ihre eigenen Schülerinnen und Schüler hat sie sich vorgenommen, den Unterricht immer unterhaltsam und aus deren Perspektive zu gestalten. Üben konnte sie sich darin schon früh: „Ich habe während der Schulzeit und dem Studium immer sehr viel Nachhilfeunterricht gegeben und gemerkt, wieviel Spaß es mir macht, komplizierte Sachverhalte so zu vereinfachen, dass man sie leicht nachvollziehen kann.“

Die 26-Jährige liebt es, mit jungen Menschen zu arbeiten und sie bei der Entdeckung und Entwicklung ihrer Talente und Leidenschaften zu begleiten. In ihren Augen ist es sehr wichtig, dass Lehrerinnen und Lehrer sich dieser Verantwortung bewusst sind, da sie auf die Berufswahl der jungen Erwachsenen großen Einfluss haben: „Ohne meinen Lehrer damals wäre ich zum Beispiel jetzt auch ganz sicher nicht hier.“

In der Theorie sind die Quoten ausgeglichen

Ihr Studium begann sie mit der Annahme, dass sie eine von wenigen Frauen sein würde – doch Fehlanzeige: „Ich war verwundert, dass wir Frauen eigentlich gar nicht in der Unterzahl waren – es war eher 50:50. Die Abbruchquote war zwar in beiden Studiengängen extrem hoch, aber es haben gleich viele Frauen wie Männer das Fach geschmissen.“[1]

In der Rolle als Frau hat sie sich zwischen ihren Kollegen und Kommilitonen nie benachteiligt gefühlt. Sie erinnert sich an wenige Situationen, die ihr klar machten, dass Frauen in ihrer Fächerkombination noch unerwartet sind – trotz der heutzutage ausgeglichenen Anteile im Studium. „Einmal gab es im Physikpraktikum nur eine Männertoilette und nichts für die Frauen, aber dann geht man halt einfach dahin. Und im Praxissemester kommentierte mal ein Lehrer verwundert, dass er bei meinen Fächern von einem Computerfehler ausgegangen war, weil ich ja eine Frau sei. Aber das darf man dann nicht zu ernst nehmen. Außerdem werden solche Situationen immer seltener, da Frauen im MINT-Bereich immer mehr zur Normalität werden.“

MINT-Lehrer sind heiß begehrt

An ihrer Berufswahl zweifelt Magdalena nie. Abgesehen von ihrer Leidenschaft für die Arbeit mit jungen Menschen, sieht sie ganz praktische Vorteile an ihrem Beruf: „MINT-Lehrer sind absolute Mangelware, die Chancen für eine schnelle Einstellung nach dem Referendariat sind also sehr hoch. Als Frau bekommt man viele Komplimente und das Gefühl vermittelt, etwas Besonderes zu sein, obwohl der Männeranteil in diesem Fach in meinem Jahrgang gleich hoch war.“

Jungen Frauen rät sie, ihren Interessen zu folgen, denn Motivation und Leidenschaft sind in ihren Augen das Wichtigste für Erfolg im Beruf: „Nur wenn Du es wirklich willst, kannst Du es schaffen. Ganz egal, was da für Vorurteile herrschen, schaffen kann es jede, die wirklich Freude daran hat. Man sollte sich gut überlegen, worauf man am meisten Lust hat und worin die eigenen Stärken liegen. Man darf nie aufhören, an sich selbst zu glauben, denn, wenn man selbst nicht an sich glaubt, tut es keiner. Mit dieser Einstellung bist Du auf jeden Fall erfolgreich, ganz egal in welcher Branche.“


[1] Laut Studierendenstatistik der Universität Tübingen war der Anteil weiblicher wie männlicher Studierender im Fach Mathematik im betreffenden Zeitraum von 2011 bis 2014 relativ gleichbleibend. (2011 männlich zu weiblich: 521/485; 2014: 496/466. Mehr unter: https://uni-tuebingen.de/einrichtungen/verwaltung/iv-studierende/studierendenabteilung/statistiken/

Foto: Magdalena Neth


Immer auf dem Laufenden bleiben? Aktuelles aus der Landesinitiative und der MINT-Welt, Veranstaltungen und Lese-Tipps gibt’s alle drei Monate in unserem Newsletter. Jetzt anmelden.