Klemens Hampf, Geschäftsführer der HAMPF CONSULT

5 Fragen an…
Klemens Hampf.

Herr Hampf, das Bauingenieurwesen ist eine stark männlich geprägte Branche, Frauen eher die Ausnahme. Warum ist das so?

Das Bauen wurde seit Jahrtausenden durch handwerkliche Berufe repräsentiert, die mit sehr schwerer körperlicher Arbeit gleichzusetzen waren. Mit zunehmendem Einsatz von Maschinen, Fertigungsstraßen und Automation wurde die produktive Arbeit leichter. In den letzten Jahren hat die Komplexität von Bauwerken zugenommen und damit ist die Akademisierung der Ausbildung einhergegangen. Wir befinden uns in einem noch andauernden Prozess von der historischen Männerwelt des Bauens mit schwerer und gefährlicher Handarbeit hin zu einem hochkomplexen Produktionsprozess mit zunehmendem Vorfertigungs- und Automatisierungsgrad.

Das moderne Bauingenieurwesen spricht beide Geschlechter an und ermöglicht Menschen mit den unterschiedlichsten Fähigkeiten eine der fast unendlichen Facetten des modernen Bauens zu erleben. Aus der Historie heraus ist deshalb zwischen Frauen und Männern noch nicht der Gleichstand erreicht. Frauen sind sowohl im Bauprozess als auch auf der Baustelle nicht mehr die Ausnahme, sondern die stark wachsende Minderheit. Es ist absehbar, wann Frauen das dominierende Geschlecht im Bauingenieurwesen sein werden. In der öffentlichen Meinung ist das ein fast unerträglicher Gedanke. Die Frauen machen aber ihren Weg.

Wie kann man mehr Frauen für das Ingenieurwesen gewinnen? Wie kann man sie für technische Berufe begeistern?

Die Ingenieurberufe sind allesamt sehr spannend. Es ist nicht schwer Frauen bei guter Eignung für den Ingenieurberuf zu begeistern, weil sie sich damit sehr gut identifizieren können und hohe analytische Fähigkeiten haben. Häufig stehen lediglich Vorurteile der Gesellschaft und Medien im Weg. Warum ist es einen Bericht wert, wenn eine Frau eine Baustelle leitet, wenn sie bereits 10 Jahre in diesem Beruf tätig ist. Hier wird der Fokus immer wieder weg von der interessanten Baustelle auf eine vermeintliche besondere Frau gelenkt, die einen Einzelweg beschreiten würde, was aber nicht wahr ist. Die Wirklichkeit in den Unternehmen sieht häufig längst anders aus. Sobald die Schulen, die Gesellschaft und die Medien Frauen als Normalität in den MINT-Berufen begriffen haben, wird sich die Entscheidung von Frauen für MINT-Berufe als normal und diskussionslos vollziehen.

Welche Maßnahmen zur Förderung von Frauen in MINT-Berufen stehen bei HAMPF Consult im Vordergrund?

Bei HAMPF CONSULT sehen wir Frauen völlig vorurteilsfrei als gleichwertige Beschäftigte. Es gibt tatsächlich keine Arbeiten, mit denen vermehrt eines der Geschlechter beauftragt wird. Frauen erhalten bei uns – wie jeder Beschäftigte – alle Chancen. Gefördert wird nicht nach Geschlecht, sondern nach den individuellen Fähigkeiten. Bei uns zählt die geachtete Persönlichkeit und das gegenseitige Vertrauen und Zutrauen. Im Ergebnis erhalten wir von Frauen wie von Männern extrem gute Arbeitsleistungen.

Frauen haben keine Defizite und benötigen deshalb keine Förderung nur weil sie Frauen sind. Wenn die Gesellschaft Frauen einfach machen lässt, wird man erkennen, dass sie ihren Weg gehen und sehr gute Ergebnisse abliefern. Mehrheitlich Frauen haben nach dem 2. Weltkrieg Deutschland aufgebaut und stabilisiert. Dieses Geschlecht braucht keine Förderung.

Unerträglich ist z.B. dass man in Deutschland Frauen in der Elternzeit nicht mehr im Beruf arbeiten lassen kann, weil das Elterngeld 1:1 gekürzt wird sobald Frauen beruflich tätig werden. Nach der Elternzeit erhalten Frauen bestenfalls eine Förderung in Form einer Wiedereingliederungsphase „übergestülpt“ oder sind arbeitslos. Das ist frauenverachtend. Erforderlich ist es, dass Frauen während der Elternzeit ohne geldliche Einbußen von staatlicher Seite eine individuelle Teilzeit arbeiten dürften.

Bei HAMPF CONSULT sind Frauen während der Elternzeit weiter im Team, nehmen an allen betrieblichen Seminaren und Ereignissen teil, werden auf dem Laufenden gehalten und sind nach der Elternzeit sofort wieder voll dabei. Diese Einstellung steht bei HAMPF CONSULT im Vordergrund.

Was raten Sie anderen Unternehmen aus dem MINT-Bereich? Lohnt sich eine gezielte Ansprache von Mädchen und jungen Frauen? Was gilt es zu beachten?

Mein Rat ist nicht erforderlich. Gut geführte Unternehmen aus dem MINT-Bereich haben längst mehrheitlich verstanden, dass Frauen eine mindestens gleichwertige Kompetenz mitbringen und sehr ehrgeizig sind.

Eine gezielte Ansprache lohnt immer, weil MINT-Berufe in der Schule nicht den Fokus erhalten, der ihnen eingeräumt werden müsste. Hier werden Mädchen und Jungen gleichermaßen interessante Perspektiven vorenthalten. Das Bildungssystem spiegelt nicht ansatzweise wieder wie MINT omnipräsent den gesamten Alltag begleitet.

Zu beachten ist, dass alle Frauen und Männer nach ihren individuellen Fähigkeiten eingesetzt werden sollten, um Zufriedenheit bei der Arbeit und gute Leistung zu erreichen. Das gilt es herauszufinden. Da werden aktuell die meisten Fehler begangen.

Was raten Sie persönlich Mädchen und jungen Frauen, die sich noch nicht sicher sind, ob der MINT-Weg der richtige für sie ist?

Auch hier rate ich unbedingt zur Ergründung der eigenen Person und den Fähigkeiten. Eine gute Note in Mathe und/oder Naturwissenschaften ist sicher ein Hinweis, dass eine Eignung vorliegt. Danach sollte nach dem Wunsch gefragt werden „was will ich in 10 Jahren beruflich tun?“ Eine Beobachtung der Personen, die einen MINT-Beruf ausüben, kann eine weitere Erkenntnis bringen. Eine letzte Sicherheit bringt häufig ein Praktikum. Aber auch ohne Praktikum ist es möglich mit stetem Interesse in einen interessanten Beruf hineinzuwachsen. Schließlich ändern sich die MINT-Berufe durch technischen Fortschritt laufend und bleiben auch nach Jahrzehnten noch spannend.

Weitere Informationen zu HAMPF CONSULT finden Sie unter: http://www.hampf-consult.de/ .

Foto: Privat