Ein mittelreifer Gouda möchte anders verpackt werden als ein penetrant riechender Old Amsterdam. Bitte was? Ja richtig, es geht unter anderem um Käse. Beim Folienhersteller SÜDPACK Verpackungen GmbH & Co.KG weiß man genau Bescheid über die unterschiedlichen Anforderungen, die zum Beispiel Milchprodukte an ihre Verpackung stellen. Das Familienunternehmen produziert ein breites Spektrum an Hart- und Weichfolien, wiederverschließbaren Folien und vorgefertigten Beuteln. Mit Folien für Molkereiprodukte startete das Unternehmen vor gut 55 Jahren, mittlerweile produzieren sie aber für die unterschiedlichsten Branchen: Fleisch- und Wurstwaren, Fisch, Brot und Backwaren, aber auch Kaffee, Tiernahrung sowie medizinische und technische Artikel. Für die Fertigstellung industrieller Folien braucht es Mitarbeitende in den unterschiedlichsten Abteilungen: Logistik, Customer Service , IT, Elektronik, Mechatronik, Kunststoffverarbeitung und – in der Industriemechanik. Zu Letzterer gehört die 19-jährige Auszubildende Jennifer Kopp aus Schwendi bei Biberach. Im Portrait erzählt sie uns, warum sie sich für die Ausbildung zur Industriemechanikerin entschied und worauf es dabei ankommt.

Das „Schrauben“ gehört zum Leben der Industriemechanikerin

„Ich war drauf und dran, Fitnesskauffrau oder Tierarzthelferin zu werden. Aber ich denke, da ließ ich mich eher von gesellschaftlichen Normen leiten“, erzählt Jennifer. „Letztlich hörte ich dann auf meinen Bauch und entschied mich für das, was mich auch privat begeistert: das Schrauben.“ Jennifer ist mit Technik um sie herum aufgewachsen. In der ländlichen Gegend, in der sie lebt, sei es normal, bei Reparaturen mit anzupacken und sich die Hände schmutzig zu machen. Trotzdem war es ein wenig außergewöhnlich, dass sie sich für eine Ausbildung zur Industriemechanikerin entschieden hat. Jennifer ist froh, dass sie den Schritt gewagt hat: „Ich fühle mich wohl, es ist alles entspannt und man hilft sich gegenseitig. Die Zusammenarbeit mit meinen Kollegen macht riesigen Spaß. Dass ich immer eins der wenigen Mädchen in einer Männerwelt war und bin, ist Nebensache.“

Vier Tage Schule, ein Tag Betriebspraktikum

Um den ersten Schritt in die Berufswelt zu machen, besuchte Jennifer nach ihrem Werkrealschulabschluss zunächst eine einjährige Berufsfachschule. Dort lernt man innerhalb eines Jahres die praktischen und theoretischen Grundlagen verschiedener Ausbildungsberufe, zum Beispiel im Bereich Metalltechnik. „Es ist wie das erste Ausbildungsjahr, nur eben hauptsächlich in der Schule“, erklärt die 19-Jährige. „Die Lehrpläne sind mit der Wirtschaft abgestimmt, so dass man mit dem Schulabschluss direkt in das zweite Lehrjahr einsteigen kann.“

Auf der Berufsfachschule hat man vier Tage die Woche praktischen und theoretischen Unterricht in berufsfachlichen und allgemeinbildenden Fächern. Einen Tag pro Woche verbringen die Schülerinnen und Schüler im betrieblichen Praktikum. „Im Vergleich zur normalen Ausbildung ist das ein ‚weicherer Einstieg‘, man kann sich an die Berufspraxis rantasten und bekommt in der Schule erst mal alle Grundlagen vermittelt“, erklärt Jennifer. Anmeldevoraussetzung für die Berufsfachschule ist ein Vorvertrag oder eine schriftliche Ausbildungsplatzzusage eines Betriebes. Jennifer hat diesen Vertrag mit SÜDPACK abgeschlossen und ist dort vergangenen September, nach erfolgreichem Abschluss der Berufsfachschule, in das Vollzeit-Ausbildungsverhältnis zur Industriemechanikerin für Betriebstechnik eingestiegen.

Verantwortungsvoll und eigenständig an den Maschinen

Als Industriemechanikerin stellt Jennifer Geräteteile und Baugruppen für Maschinen und Produktionsanlagen her, an denen verschiedene Folien für die Verpackung produziert und bedruckt werden. „Ein ,normaler‘ Tag sieht bei mir so aus, dass ich am Morgen meine E-Mails kontrolliere, dann meinen Arbeitsplatz vorbereite und von meinem Ausbildungsmeister eine Aufgabe bekomme, falls ich nicht ohnehin noch etwas fertigzumachen habe“, erklärt Jennifer. „Meine Aufgaben bestehen meistens darin, ein Teil für die Produktion zu fertigen sowie Maschinen einzurichten und instand zu halten. Manchmal darf ich auch Praktikanten oder kleinere Schulgruppen betreuen.“ Dieser Perspektivwechsel gefällt ihr – an ihre eigene Zeit als Praktikantin kann sie sich gut erinnern.

An Jennifers Arbeitsplatz haben Hammer, Säge, Feile und ihre Schutzausrüstung einen festen Platz. „Außerdem sind meine Dreh-, Fräs- und Ständerbohrmaschine ständig im Einsatz“, erzählt sie. „Und was natürlich auch nicht fehlen darf, ist gute Laune – da würde jeder in meinem Team zustimmen.“

Jennifer gefällt an ihrer Arbeit, dass sie damit einen wichtigen Beitrag in der Produktionskette von etwas leistet, das wir alle benötigen: Lebensmittel. „Es ist spannend, in einem Bereich zu arbeiten, der so stark von einem Innovationsdrang motiviert ist“, erklärt die 19-Jährige. „Lebensmittel wie Käse brauchen die richtige Verpackung, um lange haltbar zu sein. Gleichzeitig muss man natürlich darauf achten, die Verpackungen möglichst nachhaltig zu machen, also Material zu minimieren, es recyclingfähiger zu machen und nachwachsende Rohstoffe stärker einzusetzen.“

Frauen müssen sich mehr in die Technik wagen!

Unter ihren Kollegen ist sie als die „Toughe“ bekannt, die immer den richtigen Spruch auf Lager hat und für jeden Spaß zu haben ist. Auch privat weiß die sportliche 19-Jährige in jedem Schlagabtausch zu überzeugen: Beim Squash kommt sie so richtig aus sich heraus und powert sich aus. Ihre restliche Freizeit verbringt sie bei ihrem Pferd, das sie in einer Reitbeteiligung im RFV Schwendi e.V. betreut, oder sie ist mit ihren Freunden unterwegs.

Jennifer glaubt, dass mehr Frauen erfolgreich in einen technischen Beruf starten würden, wenn die „Idee“ ein bisschen normaler wäre, und nicht für Verwunderung sorgen würde. „Das ist natürlich ein Kreislauf, der sich gegenseitig bedingt. Gibt es erst einmal mehr Frauen in der Technik, zieht auch der weibliche Nachwuchs nach, weil es plötzlich normal ist“, erklärt sie. Ausschlaggebend für ihren eigenen Start in den MINT-Bereich war ein besonderer Moment, aus dem die junge Frau Selbstbewusstsein schöpfte: „An unserem Traktor zu Hause war ein Teil kaputt und ich habe einfach selbst das Werkzeug in die Hand genommen und es mit ein bisschen Herumprobieren repariert“, erinnert sich Jennifer. „Ich weiß noch, dass mein Vater da sehr stolz auf mich war. Nach diesem Erfolgserlebnis wusste ich: Ja, das will ich machen.“

Der beste Aspekt ihres Jobs ist für Jennifer, dass sie ihre handwerklichen Fähigkeiten im Privaten anwenden kann und dadurch unabhängig ist. „Ich bin stolz darauf und möchte anderen jungen Frauen Mut zusprechen“, betont die Industriemechanikerin. „Mein Tipp für die Berufsorientierung: Traut euch etwas zu!“

Bild: Jennifer Kopp, SÜDPACK

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