54. Landeswettbewerb Jugend forscht in Baden-Württemberg

Dieses Jahr fand der 54. Landeswettbewerb Jugend forscht Baden-Württemberg in der Schwabenlandhalle in Fellbach statt. 124 Teilnehmer*innen mit insgesamt 65 Projekten präsentierten ihre Ideen und Forschungsansätze. Diese kamen aus den Bereichen Arbeitswelt, Biologie, Chemie, Geo- und Raumwissenschaften, Mathematik/Informatik, Physik und Technik.

Themenbereich Arbeitswelt: IndoorFeinstaubProjekt

Antonia ist die Landessiegerin im Themenbereich Arbeitswelt. Sie geht in die 12. Klasse des St. Ursula Gymnasiums in Freiburg und hat sich neben den Abiturvorbereitungen in letzter Zeit vor allem mit Feinstaub in Innenräumen beschäftigt: Dieser kann nicht nur durch Autos, sondern zum Beispiel auch durch Drucker, Kreidestaub oder das einfache Anzünden eines Streichholzes entstehen. „Der CO2-Gehalt ist gerade in Büroräumen und Schulen viel zu hoch und darauf sollte ein viel größeres Augenmerk liegen”, erklärt Antonia. Deshalb hat sie nach vielen Messungen und Beobachtungen mithilfe eines hochauflösenden Sensoren-Netzes eine Box mit integriertem CO2- und Feinstaubsensor entwickelt. Diese gibt bei zu hoher Messung visuelle und akustische Warnsignale von sich. Schulklassen können dann darauf reagieren, indem sie zum Beispiel rechtzeitig lüften. „Die Lautsprecheranlage ging an und sofort wurden alle Fenster aufgemacht“, erzählt Antonia vom ersten Einsatz ihrer Erfindung in ihrer Schule. Damit gewinnt sie die Kategorie – und hat sich als einzige weibliche Teilnehmerin im Themenbereich Arbeitswelt durchgesetzt.

 

Themenbereich Biologie: Peruanische Heilkräuter gegen E. coli & Co.

Matilda und Sophia sind extra für den Landeswettbewerb aus Peru angereist: Sie gehen seit Kurzem auf die Peruanisch-Deutsche Schule Alexander von Humboldt in Lima/Peru. Auf einer Klassenfahrt in den Regenwald haben sie sich mit peruanischen Kräutern befasst. Als Sophia sich dann noch bei einem Ausflug mit Einheimischen über deren Heilkräuter wie die Tara-Schote unterhielt, haben die beiden beschlossen, der heilenden Wirkung der Pflanzen auf den Grund zu gehen. „Die Einheimischen wussten überraschenderweise selbst nicht, was in den Kräutern steckt. Das hat uns neugierig gemacht,” erzählt Sophia. In einer Universität untersuchten sie und Matilda die antibakterielle Wirkung der Tara-Schote und verglichen sie mit der eines handelsüblichen Antibiotikums. Sie stellten fest, dass die Einnahme davon bei den Einheimischen die Funktion eines natürlichen Antibiotikums übernimmt. Die Wirkung ist zwar nicht ausreichend – trotzdem wollen die beiden an den peruanischen Heilkräutern weiterforschen und hoffen so, ein gleichwertiges Mittel gegen antibiotikaresistente Bakterien zu finden.

Themenbereich Chemie: Nie wieder Ärger mit Nitrat: Eine neuartige Methode zur Beseitigung von Nitrat im Wasser

Im Fachbereich Chemie waren die MINT-Frauen dieses Jahr stark vertreten: Sie haben in mehr als der Hälfte der Projekte mitgewirkt. Unter ihnen waren auch Frederieke und Anna. Die beiden sind schon zum zweiten Mal bei dem Wettbewerb dabei. Sie haben sich mit zu hohen Nitratwerten von Wasser beschäftigt. Ein zu hoher Nitratanteil kann in Trinkwasser gesundheitsschädlich sein. „Es wurden schon viele Methoden zum Entfernen von Nitrat im Wasser vorgestellt, aber die sind entweder nicht effektiv genug oder zu teuer”, meint Frederieke. Die beiden haben sich mit ihrem Vorgehen an der Wirkungsweise von Abflussreinigern orientiert. Mit ihrer neuen Methode zur Grundwasserreinigung konnten sie den Nitratwert signifikant senken und hoffen, dass ihre Theorie der Ausgangspunkt für weitere Forschungen wird.

Themenbereich Physik: Magnetfeldvermessung in Abhängigkeit der Spulengeometrie

Es gibt eine physikalische Studie, in der durch eine zylinderförmige Kupferspule ein Magnetfeld erzeugt wird. Dieses Feld kann genutzt werden, um Sonnenlicht abzuschirmen. Elena vom Hegau Gymnasium in Singen hat sich gefragt, ob die Spule unbedingt zylinderförmig sein muss. Sie hat deshalb die Form der Spule verändert und untersucht, was daraufhin mit dem Magnetfeld passiert, inwiefern es sich verändert und wie dieses abgeänderte Magnetfeld im Alltag von Nutzen sein könnte: Sanduhrförmige Spulen beispielsweise könnte sie sich gut in MRTs vorstellen. Vom Wettbewerb ist sie begeistert: „Gerade im Bereich Physik sind hier beim Landeswettbewerb fast 50 % junge Frauen vertreten. Das finde ich ziemlich cool. Und man merkt bei Jugend forscht, dass es egal ist, wer man ist und wo man her kommt. Es geht alleine ums Talent.“

Fotos: © Frauen in MINT-Berufen

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